GESCHICHTE

DES TIROLER CHORWESENS

Nach dem Beispiel von St. Peter in Salzburg, das man um 687 als Wiege der österreichischen Musikkultur betrachten muss, schritt man auch in Tirol zur Gründung von Kloster- und Pfarrschulen; dort wurde der lateinische Kirchengesang gepflogen. Ab dem 12. Jahrhundert erreichten der Minnesang und später auch mehrstimmige Werke auf Burgen und an Fürstenhöfen eine große Blüte. Mit dem aufstrebenden Bürgertum zu Beginn des 19. Jahrhundert kam es in Innsbruck zur Gründung des „Musikvereins“. Die Zillertaler Nationalsänger verbreiteten das Volkslied bis nach Amerika. Von der französischen Revolution ausgehend, trat Johann Heinrich Pestalozzi für die Erziehung und Bildung aller Volksschichten ein. Hans Georg Nägele in Zürich gründete „Liederkränze“, bei denen auch Frauen mitsangen („Gesangsbildungslehre nach Pestalozzischen Grundsätzen“, 1809) Carl Friedrich Zelter in Berlin initierte „Liedertafeln“ (honorige Herren sangen nach gepflegtem Essen) Michael Haydns Wirken strahlte auch auf Tirol aus (Quartette, Männerchöre) Friedrich Silcher sammelte und komponierte Volkslieder „zum Singen für eine gewisse Anzahl von Sängern“.

TIROLER SÄNGERBUND

seit 1860

Der Tiroler Sängerbund ist bestrebt, seine Vergangenheit und Geschichte auf einer  historisch wissenschaftlich fundierten Basis zu präsentieren. Deshalb wird dieser Teil der Homepage überarbeitet. Wir bitten um Verständnis.
Ihr TSB Team

DER TIROLER SÄNGERVERBAND

nach dem 2. Weltkrieg

Gleich nach dem Ende des 2. Weltkrieges erhielt Ernst Würtele vom damaligen Landeskulturreferenten Dr. Hans Gamper den Auftrag, einen Dachverband zu gründen. Würtele fuhr landauf landab und mit Hilfe der Bürgermeister und Lehrer entstand ein Chor nach dem anderen, auch gemischte Chöre waren dabei. Auf diesem Fundament wurde im Jänner 1946 der Tiroler Sängerverband konstituiert. Begünstigt durch die Unterstützung des Landes nahm die Anzahl der Mitgliedschöre so zu, dass im Sinne einer Niveauhebung bereits 1949 mit den dann jährlich durchgeführten Chorleiterkursen begonnen werden konnte. Zum 1. Tiroler Landessängertreffen im Jahre 1952 kamen 18.000 Sängerinnen und Sänger aus Österreich, Deutschland, dem Saargebiet, aus Holland und der Schweiz nach Innsbruck. 1961, 1969 und 1975 fanden weitere große Sängerfeste statt. 1959, anlässlich der 150-Jahrfeier Andreas Hofer, wurde von der Tiroler Landesregierung in Anlehnung an die Schützenkompanien und Musikkapellen die Einkleidungsaktion für die Chöre initiiert. 1963, zum - 600-Jahr-Jubiläum Tirol bei Österreich übernahm das Land die Kosten zur Einrichtung eines zentralen Notenarchivs, das im Laufe der Jahr zum reichhaltigsten aller chorischen Dachverbände Österreichs geworden ist. Dieses wurde 2000 durch eine Audiothek sinnvoll ergänzt. Als Präsident Ernst Würtele 1979 starb, konnte er seinem Nachfolger Franz Wurnig den Tiroler Sängerverband mit 63 Chören übergeben. Dieser trug zum Wachsen und Gedeihen tatkräftig und erfolgreich bei. Mit bereits 137 Chören aller Chorgattungen wurde beim 40-Jahrjubiläum 1986 mit Sängerfesten in allen elf Chorbezirken der Aufschwung hör- und sehbar demonstriert.

VOM DUALISMUS

ZUM GEMEINSAMEN TIROLER SÄNGERBUND

Das Team, das 1992 mit Präsident Andreas Hochenegger und der Landeschorleiterin Christine Lehmann an der Spitze, die Führung des Tiroler Sängerverbandes übernahm, setzte weitere zukunftsweisende Akzente.

1. Fusion: Im Jahre 1996 gelang endlich die Fusion der beiden Dachverbände - Tiroler Sängerbund 1860 und Tiroler Sängerverband - zum neuen Tiroler Sängerbund, dem derzeit bereits über 400 Chöre (Männer-, Frauen-, gemischte, Jugendchöre und Vokalensembles mit ca. 9.000 SängerInnen) angehören. Der Tiroler Sängerbund ist damit nach dem Kärntner die zweitstärkste Dachorganisation im Chorverband Österreich (früher Österreichischer Sängerbund). Auf Grund der Quantität aber auch der gehobenen Qualität der Chöre ist es verständlich, dass nach dem Landeskulturreferenten Fritz Astl der spätere Kulturlandesrat und jetzige Landeshauptmann Günther Platter das Amt des Präsidenten übernommen hat.

2. Fortbildung: Zum seit über 40 Jahren traditionellen Chorleiterkurs kamen eine Singwoche, ein Wochenendseminar, ein Jugendwochenende und - gemeinsam mit dem Südtiroler Sängerbund - ein Seminar für Führungskräfte. Auf die von Josef Oberwalder initiierte chorische Stimmbildung wurde von den Chören immer eingehender Wert gelegt. Im Sinne einer intensiveren Aus- und Weiterbildung von Chorleitern wurden ein einjähriges Chorleiterseminar, dezentralisiert in den Tiroler Bezirken und ein zweijähriges Chorleiterseminar in Innsbruck ins Leben gerufen. Kindersingwochen, Jugendsingtage, Familiensingwochen, Notenliteraturtage, Kirchenchortage, Frauen- und Männerchorwochenenden runden das Programm ab.

3. Kompositionsaufträge: Im Bestreben, den Chören neue Literatur zukommen zu lassen, wurden in Zusammenarbeit mit der Kulturabteilung des Landes mehrfach Kompositionsaufträge erteilt: Anlässlich des 40-Jahr-Jubiläums des Tiroler Sängerverbandes wurden die preisgekrönten Werke österreichischer und Südtiroler Komponisten von Chören derselben Regionen am 22. Juni 1996 im Congress Innsbruck uraufgeführt. Im Sinne einer Zusammenwirkung von Chören mit Instrumentalgruppen wurden 1999 Kompositionsaufträge, - Messe mit Bläserensemble- erteilt (mittelschwere und leichte Chorliteratur für Frauen-, Männer-, Jugend- und gemischte Chöre). Im Oktober 2000 wurde der Tiroler Sängerbund von der Arbeitsgemeinschaft alpenländischer Chorverbände mit der Uraufführung zeitgenössischer Chorliteratur betraut. Vier Chöre aus dem deutsch- bzw. italienischsprachigen Alpenraum brachten die Werke von acht Komponisten zu Gehör. Der ORF, Radio Tirol, stellte Tonträger zu Verfügung.

4. Wertungssingen: Im Jahre 1998 veranstaltete der Tiroler Sängerbund für seine Mitgliedschöre ein Wertungssingen in drei Leistungsstufen für Frauen-, Männer- und gemischte Chöre.
Ab November 2001 wurde alle 3 Jahre ein Gesamttiroler Wertungssingen für Chöre aus Süd-, Ost- und Nordtirol ins Leben gerufen. Beim ersten Gesamttiroler Wertungssingen beteiligten sich 60 Chöre und sangen vor einer international besetzten Jury. Veranstaltet wird vom Südtiroler und der Tiroler Sängerbund gemeinsam.
Ein Anlass, die bereits bestehenden, sehr guten, Kontakte zwischen den beiden Dachorganisationen von Süd- und Nordtirol weiter zu vertiefen.
Zur Qualitätsverbesserung wurde in dieser Zeit vom jetzigen Präsidenten LH Günther Platter die „Vokalinitiative“ ins Leben gerufen. Unter diesem Aspekt veranstaltet der tsb nun jährlich einen Chorwettbewerb mit unterschiedlichsten Schwerpunkten, wie Volksliedwettbewerb, Jugendsingwettbewerb, Wettbewerb für kleine Gruppen u.a.m.

5. Organisation: Ab April 2006 wurde, zur Verstärkung und noch besseren Betreuung unserer Mitgliedschöre das Team des tsb um einen Mitarbeiter für die Geschäftsführung erweitert. Das Notenarchiv wird laufend ergänzt, Chorleiter haben EDV-unterstützt die Möglichkeit, Noten einzusehen und zu entlehnen und in vielen Fällen Hörbeispiele dazu abzurufen. Die Homepage des tsb wird laufen angepasst und die Chöre haben die Möglichkeit, ihre Veranstaltungen im Terminkalender bekannt zu machen.
Es können alle notwendigen Formulare für Ansuchen oder Fortbildungsveranstaltungen über die Homepage bearbeitet werden.
Eine sehr günstige Gruppen-Haftpflichtversicherung gibt den Chören die Möglichkeit, sich und Ihre Mitglieder rechtlich für wenige €-Cent abzusichern und bei Versicherungsfall vor finanziellen Schaden zu bewahren.
Eine kollektive Unfallversicherung gibt die Sicherheit, bei erlittenen Schmerzen und Leid, die Schäden zu mildern.
Eine Sondervereinbarung mit der AKM verbilligt diese Gebühr deutlich bei Ihren Veranstaltungen
Neben der Pflege der Gemeinschaft in und unter den Chören sind die Bemühungen um die Hebung des Niveaus für die Zukunft der Chöre von entscheidender Bedeutung. Dazu sind die Möglichkeiten an den Musikschulen von nicht zu unterschätzender Wichtigkeit. Nach dem - elementaren Musikunterricht steht im Landesgesetz aus dem Jahre 1992 an nächster Stelle - Gesang unter besonderer Berücksichtigung des Chorgesanges. Es müssen aus den schwerpunktmäßig spielenden Musikschulen immer mehr spielende und singende Musikschulen werden. Die Aufgaben und Anliegen der Kirchenchöre in der vielfältigen Chorlandschaft Tirols sind in der Zukunft verstärkt zu beachten.

Andreas Hochenegger Landesobmann des Tiroler Sängerbundes bis 30.März 2006 und dann Ehrenobmann,
ergänzt von Manfred Duringer Landesobmann des Tiroler Sängerbundes seit 31.März 2006

Quellenangaben

Quellenangaben: 100 Jahre Tiroler Sängerbund, 1860 - 1960, Schlernschrift Nr. 211,
bearbeitet und zusammengestellt von Karl Leipert
40 Jahre Tiroler Sängerverband, 1946 - 1986, Franz Wurnig